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Landrat Reinhard Sagerund Fachbereichsleiter Dr. Matthias Badenhop (1. v.r.) im Gespräch mit Teilnehmern der Veranstaltung.
Landrat Reinhard Sagerund Fachbereichsleiter Dr. Matthias Badenhop (1. v.r.) im Gespräch mit Teilnehmern der Veranstaltung.

Aktionstag Inklusion in der Kreisverwaltung – Mitarbeiter erkunden das Kreishaus auf Barrierefreiheit

v.l. Stefan Thede, Monika Gascard (Gehörlosen Selbsthilfegruppe Ostholstein), Dr. Stefan Doose und Edda Rahlf berichten über Ihre Erfahrungen und Wünsche mit Blick auf weniger Barrieren.
v.l. Stefan Thede, Monika Gascard (Gehörlosen Selbsthilfegruppe Ostholstein), Dr. Stefan Doose und Edda Rahlf berichten über Ihre Erfahrungen und Wünsche mit Blick auf weniger Barrieren.

Im Rahmen eines Aktionstages Inklusion erkundeten kürzlich rund 50 Mitarbeiter der Kreisverwaltung mögliche Barrieren im Eutiner Kreishaus. Landrat Reinhard Sager stellte in seiner Begrüßung heraus, dass das Thema Inklusion in der Verwaltung gerade auch durch den demografischen Wandel von besonderer Bedeutung sei: „Wir wollen uns sensibilisieren und die eigenen Strukturen ein Stück weit hinterfragen“, so der Landrat.  

Dr. Stefan Doose, Koordinator Inklusion des Kreises Ostholstein, moderierte die einführende Informationsveranstaltung und bezog Bürger mit verschiedensten Beeinträchtigungen ein. Sie stellten heraus, welche Bedürfnisse sie als Kunden der Verwaltung haben. Ob Kopfsteinpflaster, leichte Sprache, ein besseres Informationsleitsystem, Ansagen im Fahrstuhl oder die Frage nach Gebärdendolmetschern: Die unterschiedlichsten Denkanstöße wurden gegeben. In einer anschließenden Erkundung durch das Kreishaus konnten die Mitarbeiter dann auch zahlreiche Erfahrungen sammeln. Die erkannten Barrieren im oder am Kreishaus sollen nun erfasst und nach finanziellen Möglichkeiten der Kreisverwaltung Schritt für Schritt betrachtet, beseitigt oder verbessert werden.

v.l. Die beiden Gebärdendolmetscherinnen übersetzten während der Veranstaltung.
v.l. Die beiden Gebärdendolmetscherinnen übersetzten während der Veranstaltung.

Lena Middendorf von der Lebenshilfe Ostholstein erklärte zu Beginn den Prozess der inklusionsorientierten Verwaltung. Mit Hilfe der Kriterien Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und  Nutzbarkeit sollen die Angebote der Verwaltung untersucht, Barrieren identifiziert und möglichst beseitigt werden. Das Projekt „Ostholstein, erlebbar für alle“ hat eine Gruppe von ehrenamtlichen Experten für Inklusion und Barrierefreiheit ausgebildet, die Verwaltungen und Organisationen dabei unterstützen.

Im Anschluss daran nutzten die Mitarbeiter der Kreisverwaltung die Gelegenheit, die Räumlichkeiten des Kreishauses zu erkunden und praktische Erfahrung zu sammeln. So versetzte sich ein Mitarbeiter durch den Alterssimulationsanzug in die Situation körperlich stark eingeschränkter Personen. Eine andere Mitarbeiterin ließ sich am Hörverlustsimulator erläutern, dass Schwerhörigkeit eben nicht bedeutet, nur alles leiser zu hören. Als sie nachher mit Gehörschutz an die Bürotüren klopft, hört sie nicht, dass sie hereingebeten wird und wartet erst einmal vergeblich vor der Türe. Der Leiter des Fachbereichs Soziales, Jugend, Bildung und Sport, Dr. Matthias Badenhop, fuhr im Rollstuhl durch die Flure und bemerkte, wie mühsam Türen zu öffnen sind.

Letztlich waren sich die Beteiligten einig: Einmal die Sicht aus der Perspektive von Menschen mit einer Beeinträchtigung zu erleben, war für alle eine wichtige Erfahrung.

 

Hintergrund:

Der Kreistag Ostholstein hat vor einem Jahr beschlossen, als erster Kreis in Schleswig-Holstein einen Aktionsplan Inklusion zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zu entwickeln. In Ostholstein nimmt dieser Prozess nun an Fahrt auf. Im Dezember 2014 wurde mit der Inklusionskommission ein Gremium von 30 Personen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und dem Beirat für Menschen mit Behinderungen berufen, die den Prozess begleiten wird. Im Februar 2015 fand die erste Inklusionskonferenz „Ostholstein, erlebbar für alle“ mit rund 140 Bürgern als Auftaktveranstaltung in Eutin statt. Bis zum  nächsten Jahr sollen sechs inhaltliche Foren zur Bearbeitung der Themen folgen.